mein Blog über Elektroautos
Das neue Sonderkennzeichen für Elektroautos ist da!
von Dorian Schädler,  01. Oktober 2015
Endlich ist es soweit: Elektroautos werden nun auch offiziell als solche gekennzeichnet.
In Esslingen war es bislang so, dass Elektrofahrzeuge keine Parkgebühren bezahlen mussten und auch keine Plakette oder eine spezielle Bescheinigung ankleben oder hinter die Windschutzscheibe legen mussten. Auf Nachfrage beim Landratsamt, wie denn eine Politesse erkennt, ob es sich um ein Elektrofahrzeug handelt hieß es: "Die Mitartbeiter des Ordnungsamtes prüfen, ob das Fahrzeug einen Auspuff hat". Damit das nun ein Ende hat und um weitere Unklarheiten aus der Welt zu schaffen, führt Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt nun ein großes "E" auf dem Nummernschild ein. Ein blaues Kennzeichen fände ich persönlich schöner und markanter, das ginge jedoch nicht, weil die Schilder-Präger kein blaues Farbband haben. Nun gut, auch ein E am Ende der Kennzeichennummer erfüllt seinen Zweck und sorgt sicher beim ein oder anderen Fahrer, der an der Ampel hinter einem E-Auto steht für Aufmerksamkeit.
Nun ist es also soweit und am 21. September 2015 wurde das Sonderkennzeichen offiziell deutschlandweit eingeführt. Bis eine Neuerung beim letzten Landratsamt ankommt und da Beamte im Allgemeinen nicht zu den schnellsten und agilsten gehören, entschied ich, noch ein paar Tage zu warten. Eine Woche später wollte ich es dann aber wissen und erkundigte mich per Mail (da selbst die Hotline der Zulassungsstelle mit Ende der Öffnungszeiten nicht mehr erreichbar war und es für Berufstätige sehr schwierig ist, während der Öffnungszeiten der Ämter Kontakt aufzunehmen) beim Landratsamt in Biberach, was denn alles beachtet werden muss. Am nächsten Morgen kam auch prompt eine Antwort:

[...] Bei zugelassenen Fahrzeugen benötigen wir die Zulassungsbescheinigung (ZB) Teil I und Teil II (Fahrzeugschein u. Fahrzeugbrief), COC-Bescheinigung oder EG-Übereinstimmungsbescheinigung und Kennzeichenschilder, zudem muss eine gültige Hauptuntersuchung vorliegen. Aus der COC-Bescheinigung oder EG-Übereinstimmungsbescheinigung entnehmen wir die Werte bezüglich eines Elektrofahrzeugs oder Plug-In-Hybrid-Fahrzeugs.
Die Gebühr hängt von der Vorgangsart ab (bspw. Umkennzeichnung oder technische Änderung), hinzu kommt eventuell noch eine neue ZB II (3,60 €) oder Wunschkennzeichen (12,80 €), zudem müssen die Kennzeichenschilder neu gesiegelt werden.
Bei einer techn. Änderung fallen Gebühren in Höhe von 11,40 € und für die Abstempelung der Schilder (6,00 €) an, hinzu kommt gegebenenfalls eine neue ZB II (3,60 €). Falls es sich um eine Umkennzeichnung handelt, fällt die Gebühr von 27,00 € an, evtl. kommt noch ein Wunschkennzeichen 10,20-12,80 € hinzu bzw. ein neue ZB II 3,60 €.
Zu Ihrer Frage bezüglich Vorteile für Elektrofahrzeugen in BC und anderen Städte, kann ich Ihnen nur Folgendes mitteilen:
Mit dem E-Kennzeichen versehene Fahrzeuge dürfen – soweit die Straßenverkehrsbehörden entsprechende Regelungen erlassen haben
  • Parkplätze an Ladesäulen,
  • entsprechend gekennzeichnete kostenlose Parkplätze,
  • Ausnahmen von Zu- und Durchfahrtsbeschränkungen und
  • einzelne Busspuren für gekennzeichnete Fahrzeuge
nutzen. Ob und inwieweit diese Eingerichtet werden, müssten Sie bei den entsprechenden Stadt-/Gemeindeverwaltungen anfragen.

Bis abends hatte ich es geschafft, zu googlen was eine EU-Übereinstimmungsbescheinigung ist und diese ausfündig zu machen und ging am folgenden Tag mit allen Unterlagen und mit den Kennzeichen unterm Arm zur örtlichen Zulassungsstelle. Die Dame am Empfang hatte zum ersten Mal etwas von einem Sonderkennzeichen gehört, ihr Kollege klärte sie dann auf, dass es das ab kommender Woche, also 05.10. geben wird. Das hätte der Kollege auch wenigstens in einem Nebensatz in der Mail an mich erwähnen können. Also montierte ich meine alten Kennzeichen wieder am Zoe und erbat weitere Details per Mail, um wirklich sicherzugehen, dass es nächste Woche klappt (das erste "Kunststofffüßchen" am Kennzeichenhalter ist nämlich bereits abgebrochen). In der folgenden Antwort vom Landratsamt erfuhr ich nun, dass die Nummer des Sonderkennzeichens ohne das E nur maximal 7-stellig sein darf, was in meinem Fall bedeutet, dass ich ein komplett neues Schildchen benötige und mir ein neues Wunschkennzeichen überlegen und reservieren muss.

Kennzeichen-Odyssee Teil 2
Ich wartete extra die Schulung der Landratsamt-Mitarbeiter auf die neuen Kennzeichen ab und startete in der kommenden Woche noch einmal einen Anlauf. Als ich am Schalter sagte, dass ich das neue Sonderkennzeichen für Elektroautos haben möchte, schaute mich der Mitarbeiter zuerst mit großen Augen an, drehte sich dann zu seinen Kollegen und rief: "Es ist soweit, der Fall mit dem E-Kennzeichen!" Man hatte sich also so schon auf mich vorbereitet und sofort strömten fast alle Mitarbeiter zu dem bearbeitenden Kollegen und gemeinsam fachsimpelten sie über die entsprechende Transaktion im System und versuchten sich an die Details aus der Schulung zu erinnern. Ich bin im ganzen Landkreis der erste, der ein E-Kennzeichen haben möchte. Doch nach nicht einmal 15 Minuten waren die neuen Fahrzeugpapiere gedruckt und alles im System vermerkt, es blieb nur noch die Frage offen, ob das "E" auf der Feinstaubplakette abgedruckt werden muss oder nicht. Ich finde es idiotisch, dass ein reines Elektroauto überhaupt eine Feinstaubplakette benötigt, doch – das versicherte mir der bearbeitende Mitarbeiter – es ist auch mit E-Kennzeichen zwingend nötig, eine grüne Feinstaubplakette auf die Windschutzscheibe zu kleben. Und dafür bezahle ich noch einmal 5 Euro. Das ist Deutschland!
Der sehr freundliche und hilfsbereite Mitarbeiter der Zulassungsstelle begleitete mich sogar zum Kennzeichendrucken, damit hier nichts schiefgehen kann.
Dann ist es geschafft: Ich habe ein neues Sonderkennzeichen und in der Zulassungsstelle Biberach weiß nun jeder über das E-Kennzeichen Bescheid.


Für alle E-Autofahrer, die ebenfalls planen, ein Sonderkennzeichen zu beantragen noch einmal zum Mitschreiben. Folgendes muss beachtet werden:
  • Das klassische Kennzeichen wird um ein "E" ergänzt, ähnlich dem H-Kennzeichen für Oldtimer
  • Dadurch sind nur noch max. 7 Stellen möglich
  • Mit Wunschkennzeichen und Neuerstellen aufgrund zu vieler Stellen fallen ca. 78,00 Euro Gesamtkosten an
  • Das E-Kennzeichen erhalten reine Elektrofahrzeuge oder Hybridfahrzeuge mit mindestens 40 Kilometern elektrischer Reichweite
  • Das E-Kennzeichen ersetzt nicht die grüne Feinstaubplakette, im Gegenteil: Es muss eine neue angefertigt werden
  • Die Umstellung auf das Sonderkennzeichen ist derzeit keine Pflicht
  • Derzeit hat man noch fast keine Vorteile bzw. Sonderrechte, da jede Kommune selbst bestimmte Vorzüge einräumen kann

Der ganze Spaß kostete nun 78,28 €. Hierfür muss man häufig kostenlos parken dürfen, damit sich diese Kosten amortisieren. Hoffen wir also, dass die Kommunen schnellstmöglich Maßnahmen aus dem Elektromobilitätsgesetz umsetzen.
Die Umkennzeichnung kostete inkl. neuer Zulassungsbescheinigung I 27,50€, das Wunschkennzeichen 12,80€, eine neue Feinstaubplakette 5,00€ und die Kennzeichenschilder mit Elektroauto-Zuschlag 32,98€.