mein Blog über Elektroautos
Mit Zoe auf großer Fahrt
von Dorian Schädler,  17. August 2013
Seit 4 Tagen bin ich nun elektrisch unterwegs. Die ersten Kilometer sind überstanden, alle Schalter und Knöpfe einmal gedrückt: Zeit für die erste große Fahrt! Ein Ziel ist auch schnell gefunden: Da ich auf der Straße auch als E-Fahrer erkannt werden möchte, soll mein Zoe die Aufschrift "100% elektrisch" erhalten. Mein Onkel beschriftet beruflich Fahrzeuge, deshalb führt meine erste Fahrt zu ihm nach Esslingen bei Stuttgart. So einfach losfahren geht natürlich bei einer 120km langen Fahrt nicht. Um sicher anzukommen, muss Zoe zuerst an die Steckdose. Wie auf heißen Kohlen sitzend warte ich vor dem Zoe-Display bis die Ladeanzeige endlich auf 100% sringt. Dann geht's endlich los: leise und mit gleich- mäßiger Beschleunigung fahre ich in Richtung Schnellstraße B30. Auf der Landstraße überzeugt Zoe durch seine auch im ECO-Modus hervorragende Beschleunigung ohne dabei laut aufzuheulen. Bis Tempo 80 ist es bei ausgeschaltetem Radio und ohne lautes Gebläse angenehm leise. Ein Motorgeräusch gibt es quasi keines. Das Einzige, was zu hören ist, sind Wind- und Reifengeräusche.Diese angenehme Ruhe schätze ich an Zoe sehr, vor allem wenn ich zuvor mit unserem Familienvan gefahren bin, der leider noch nicht elektrisch fährt. An der Ampel fällt mir meistens das Motortuckern der Diesel- und Benzinfahrzeug auf, was ich dann schon als unangenehm empfinde. Schon auf der Schnellstraße, die auf Tempo 120 begrenzt ist (ich fuhr sogar nur etwas über 100 km/h) ist was die Lautstärke betrifft kein Unterschied zum "normalen" Auto zu erkennen. Bei höheren Geschwindigkeiten sind die Fahrgeräusche auch fast so laut wie bei einem Benziner. Nach den ersten 40 Kilometern machte mir die Reichweitenanzeige jedoch klar, dass ich das Tempo etwas reduzieren sollte. Nach Ulm ging es dann auf die A8.

Mit Zoe auf der Autobahn
Auf der A8 wurde mir schnell klar: Wenn ich jemandem mein Auto zeigen möchte und ihm Elektromobiltät schmackhaft machen möchte, werde ich ihn niemals zu einer Autobahnfahrt einladen. In den letzten Jahren habe ich mir eine umweltfreundliche und vorausschauende Fahrweise angewöhnt, auf der Autobah war ich dann jedoch froh, wenn ich eine Zeit lang annähernd 200 km/h fahren konnte. Zoe ist auf 135 km/h elektronisch begrenzt, ein Elektroauto zwingt also zu einer ruhigen Fahrt. Und da ich aber noch am Ziel ankommen möchte, erlaubt mir der Reststrom in der Batterie, höchstens 100 km/h schnell zu fahren (glaubte ich zu dieser Zeit). Überholen war also nicht möglich und auch nicht nötig. Nach wenigen Minuten blieb ich dann jedoch auf der rechten Spur und es stellte sich eine gewisse Gelassenheit bei mir ein. Die vorbeibretternden Sportlimousinen konnte ich zunehmend ignorieren. Und an der nächsten Baustelle freute ich mich, dass ich die sportlicheren Fahrzeuge, welche einige Zeit zuvor links an mir vorbeifuhren, wiedersah. Nach einer halben Stunde mit Tempo 100 machte ich mir einen Sport daraus, die Ökopunkte zu steigern und die Verbrauchsanzeige zu senken. So hätte ich beinahe die Ausfahrt verpasst. Die Zeit verging auf den letzten Kilometern sehr schnell. Und als ich vor der Firma meines Onkels meinen Zoe abstellte, zeigte die Batterie-Anzeige sogar noch eine Restreichweite von 60 Kilometern an. Ich hätte also noch bis Heidelberg fahren können.

Nach dem Kaffeetrinken ging's dann an die Arbeit: Mein Onkel klebte zuerst – nach der zuvor am Computer erstellten Skizze – den silbernen Streifen, der den Hintergrund für die Schrift bildet und gleichzeitig die Formen des Zoes betont bzw. das rundliche Heck etwas schlanker wirken lässt. Man glaubt es nicht, aber allein das Kleben des silbernen Streifens dauerte bis 23:00 Uhr. Über Nacht piepste mein Zoe dann an der 11kW-Ladebox meines Onkels vor sich hin, um für die Rückfahrt am nächsten Tag wieder genug Strom in der Batterie zu haben.

                        

Am nächsten Morgen prüfte ich erst einmal, welche Farben für die Schrift in Frage kommen, indem ich Zoe in der Sonne, im Schatten und im Gebäude aus allen Richtungen betrachtete. Das Silber sieht nämlich zu jeder Tageszeit und aus jedem Blickwinkel anders aus. Schließlich entschied ich mich für ein schlichtes, unauffälliges, aber lesbares Weiß. Da Zoe keine einzige gerade Linie aufweist, zog sich auch das Aufkleben der Schrift bis in den Mittag, denn jeder Buchstabe musste einzeln vermessen und geklebt werden. Doch ich finde: Das Resultat kann sich sehen lassen! Und man hört nun nicht nur, dass es ein Elektroauto ist, sondern man sieht es auch.