mein Blog über Elektroautos
Einfach elektrisierend
von Dorian Schädler,  23. Mai 2015
Fortsetzung von Blog-Bericht 17 "Abenteuer Langstrecke: Mit Zoe quer durch Deutschland"


Tag 3

Nicht nur im Zoe kann man wunderbar nächtigen, auch die enorme Breite des Teslas ermöglicht eine Übernachtung quer auf der Rückbank. Nach einem Frühstück und meinen ersten Veröffentlichungen der Fahrt in diesem Blog fahren wir gemeinsam nach Berlin-Tempelhof. Dort findet heute auf dem ehemaligen Flugplatz die Elektroauto-Parade und das Formel-E-Rennen statt. Um 8:30 Uhr erreichen wir als zweites Elektroauto das Gelände. Interessante Gespräche mit dem Veranstalter der Wave, einem Tesla-Fahrer und einem Stuttgarter, der mit einem Elektromotorrad angereist ist verkürzen die Wartezeit. Noch schnell Zoe und Tesla poliert und dann geht es los. Zuerst werden alle Fahrzeuge – für einen neuen Weltrekord müssen es mindestens 507 sein – in zwei riesigen Hangars auf dem Gelände geparkt. Die Einweisung und Aufstellung ist chaotisch, überall flitzen Fahrzeuge lautlos in den Hallen umher, doch nach zwei Stunden stehen über 550 Fahrzeuge in Reihen dicht an dicht geparkt und warten auf ihren großen Auftritt. Bis dahin haben wir noch genügend Zeit, um alle Fahrzeuge in den Hangars genau zu inspizieren. Mein Onkel startet sogar erste Zählungen und Hochrechnungen. Neben den 110 Citroen C-Zero Fahrzeugen, die vom Carsharing in Berlin extra für diesen Rekord von der Straße abgezogen wurden, ist die Tesla-Fraktion mit 96 Autos eindeutig am größten. Zoes sind mit 43 Fahrzeugen etwas weniger als beim letzten Weltrekord in Stuttgart angereist, doch abgesehen von der Vorführwagen-Flotte kamen deutlich weniger Nissan-Leaf-Fahrer. Im Vergleich zu letztem Jahr nahm die Zahl der BMW i3 und VW E-Golf deutlich zu. Auch sehr exotische Exponate, wie bspw. Einer Elektro-Ente, einem Hermes-Paketzustellfahrzeug oder einem Mercedes SLS AMG Electric sind zu sehen. Vor dem Start gibt der Wave-Organisator Louis Palmer eine genaue Einweisung. Für die Fahrt haben wir genau 50 Minuten Zeit. Das bedeutet, dass alle 4 Sekunden ein Fahrzeug starten muss.
Um 13:05 geht es dann endlich los: Alle Fahrzeuge parken aus den Hangars aus und fahren vor 20.000 Zuschauern auf der originalen Formel-E-Rennstrecke einen 3,5 Kilometer langen Kurs. Da ein Fahrzeug in der Reihe neben mir Startschwierigkeiten hat, reihe ich mich kurzentschlossen ein und starte so sehr weit vorne. Um den von Guinness vorgeschriebenen Abstand von maximal 10 Metern zum Vordermann halten zu können, fahren wir zum Teil mit Formel-E-verdächtigen 110 Stundenkilometern. Doch anders als die Rennfahrer müssen wir auf Straßenbreite wenden und den kurvenreichen Kurs wieder zurückfahren, da die Rennstrecke für den Rekord zu kurz ist. Auch im Zoe kommt dadurch etwas Rennfahrer-Feeling auf. Es macht Spaß, auf der originalen Rennstrecke vor 20.000 Beifall klatschenden Zuschauern an einem Weltrekord mitfahren zu dürfen. Nach circa fünf Minuten ist die Strecke absolviert und es geht wieder zurück in den Hangar. Doch hier ist es noch einmal mindestens genauso spannend, denn da alle vier Sekunden en Fahrzeug startet, muss auch alle vier Sekunden ein Fahrzeug im Ziel zentimetergenau einparken. Als mein Fahrzeug steht, genieße ich die hektischen Einparkmanöver der nachfolgenden Fahrzeuge unter dem wilden Geschrei der Einweiser.
Kaum zu glauben, doch wir haben es geschafft: In den vorgegebenen 50 Minuten sind 577 rein elektrisch angetriebenen Fahrzeuge 3,5 Kilometer in einer langen Schlange hintereinander gefahren. Somit ist der Weltrekord der längsten Elektroauto-Parade geschafft und wir haben den letzten Rekord der Amerikaner deutlich übertroffen!
Als Belohnung erhält jeder Teilnehmer eine Eintrittskarte zum anschließend stattfindenden Formel-E-Rennen. Um 16:00 Uhr nehmen wir auf der Tribühne Platz, von wo aus wir direkte Sicht auf eine 180°-Kurve haben und das Rennen zudem auf einem riesigen LED-Fernseher verfolgen können. Das Rennen dauert insgesamt 33 Runden. Da die Rennwagen, die rein äußerlich nicht von einem Formel-1-Benzinstinker zu unterscheiden sind, nicht genügend Strom für das gesamte Rennen speichern können, steht nach der Hälfte ein Boxenstopp an. Aber nicht um zu Tanken oder die Reifen zu wechseln, sondern bei der Formel-E wird das komplette Fahrzeug gewechselt. In Runde 17 fährt also jeder der 20 Rennfahrer, zu denen auch Nick Heidfeld, Jarno Trulli und Daniel Abt gehören, in die Box, steigen aus ihrem Wagen aus, sprinten zum Fahrzeug nebenan und quetschen sich in Windeseile wieder in den baugleichen Rennwagen hinein. Die Elektro-Rennwägen sind dabei bei Weitem nicht so leise, wie man es von einem Elektroauto erwartet; die Geräuschkulisse kommt der Formel-1 sehr nahe, lediglich der Gestank bleibt aus. Die Rennwagen werden übrigens mit Strom aus einem Dieselgenerator, der statt mit Diesel mit Aquafuel (einer umweltfreundlichen Wasser-Glycerin-Mischung) betrieben wird. Dennoch ist der Stromverbauch der Rennboliden von circa 2000 Haushalten alles andere als sparsam. Als Safety-Car ist übrigens ein BMW i8 im Einsatz. Der Gewinner des Rennens, Luca di Grassi, wird jedoch später aufgrund von Modifikationen im Frontflügel disqualifiziert, wodurch der Belgier Jérôme Ambrosio zum Sieger des Rennens gekürt wird.
Nach dem Rennen bekomme ich sogar noch die Chance, in einem BMW i8 Platz nehmen zu dürfen. Um den langen Stau auf den Straßen vor dem Gelände zu vermeiden, schlendern wir noch etwas übers Gelände und so kann ich auch noch ein Solowheel (ebenfalls elektrisch angetrieben) für ein paar Minuten testen. Das kleine Spaßgefährt ist deutlich schwerer zu fahren, als zuerst angenommen. Schließlich verlassen auch wir als einer der letzten Teilnehmer das Event und steuern stromhungrig die nächsten Schnellladestationen an. Mein Onkel fährt natürlich zum kostenlosen Supercharger und auch ich habe ein „Superchargerle“ gefunden. Zwar liefert diese Säule am neuen BER-Flughafen nur 43 kW, doch für meinen Zoe ist diese Ladestärke eine Premiere. So kann ich endlich mit maximal möglicher Leistung aufladen. Die Zeit reicht gerade einmal für ein paar Fotos, schon ist der Akku voll. In einem Industriegebiet suchen wir nun einen Parkplatz. Bei Sonnenuntergang schauen wir uns beim Abendessen die Fotos des heutigen Events an.

                                                                     

Fortsetzung folgt in Blog-Bericht 19